Überblick über Sprecher und Vorträge für den BTD12 am 7. Juni 2019

Künstliche Intelligenz

Building A Useful Chatbot: Beyond the ML and NLP (auf Englisch)

Dr. Andreea Hossmann, Principal Product Manager, Data Analytics & Artificial Intelligence, Swisscom

Vor etwa zwei Jahren schienen Chatbots die nächste große Sache seit mobilen Apps zu sein. Inzwischen hat sich die Lage jedoch verändert, da die Chatbots die hohen Erwartungen nicht erfüllen konnten. Die Conversational AI bewegt sich jedoch immer noch mit großen Schritten vorwärts. Der Vortrag geht der Frage nach, wie Unternehmen die Chatbot-Blase vermeiden und trotzdem mit der neuesten Konversationstechnologie Wirkung erzielen können.

Andreea Hossmann ist Principal Product Manager für Data, Analytics und AI bei Swisscom. Darüber hinaus ist Sie Venture Associate und arbeitet mit Swisscom Ventures zusammen, um KI-Startups weltweit zu bewerten. Während ihrer 3,5-jährigen Tätigkeit bei Swisscom war Andreea Senior Data Scientist, bevor sie ein Data Science-Team zusammenstellte und leitete, um an AI-Themen zu arbeiten. Dieses Team beschäftigt sich mit Themen wie dem Verständnis der natürlichen Sprache und Suche. Sie ist eine erfahrene Forscherin mit einem Hintergrund in angewandtem Machine Learning, Netzwerkwissenschaft und Computervernetzung. Zu diesen Themen hat Andreea Hossmann an der ETH Zürich promoviert.

Building a Self-Driving RC Car (auf Englisch)

Bert Jan Schrijver, CTO, OpenValue

In diesem Vortrag werden wir über die Erfahrungen sprechen, die wir gemacht haben, als wir ein kleines ferngesteuertes Auto in ein autonomes Fahrzeug umgebaut haben. Wir sprechen über Elektronik, Sensoren, KI, Computer Vision und natürlich die Software, die alles miteinander verbindet. Wir geben eine Einführung in die Welt der selbstfahrenden Autos und vergleichen unsere Lösung mit dem, was in den großen Ligen von Teslas Autopiloten und den selbstfahrenden Autos von Waymo gemacht wird. Abschließend diskutieren wir die Herausforderungen und die Dilemmata, die ein Auto mit sich bringt, welches in realen Szenarien von Software gesteuert wird.

Bert Jan ist CTO bei OpenValue in den Niederlanden und konzentriert sich auf Java, Continuous Delivery und DevOps. Bert Jan ist Java-Champion, JavaOne Rock Star-Sprecher, Duke's Choice Award-Gewinner und führt NLJUG, die niederländische Java User Group. Er teilt gerne seine Erfahrungen, indem er auf Konferenzen spricht, für das niederländische Java-Magazin schreibt und Devoxx4Kids dabei hilft, Kindern das Codieren beizubringen. Bert Jan ist auf Twitter unter @bjschrijver leicht erreichbar.

High-End-Übersetzungshybride unter Einsatz von künstlicher Intelligenz (auf Englisch)

Christopher Kränzler, Geschäftsführer, lengoo.de

Während neueste Ansätze basierend auf neuronalen Netzen vielsprechende Verbesserungen in der Qualität von Maschinenübersetzungen mit sich bringen, spielen menschliche Fachübersetzer eine immer wichtigere Rolle bei der Einführung dieser Technologien. In diesem Vortrag lernen Sie über die Grundlagen von Maschinenübersetzungssystemen. Wir gehen der Frage nach, welche Stellschrauben die beste Übersetzungsqualität versprechen und worauf es beim Einsatz von Maschinenübersetzung ankommt, um enorme Effizienzgewinne im professionellen Übersetzungsumfeld zu realisieren.

Christopher ist im malerischen Bayern geboren und aufgewachsen. Er machte seinen Bachelor am Karlsruher Institute of Technology und absolvierte seinen Master in Data Science an der Columbia University New York. Er war schon immer ein Verfechter von datengetriebenen Entscheidungsprozessen und ist passionierter Redner zu den Themen AI, Digitalisierung und Lokalisierung. Sein umfangreiches Verständnis und die Wertschätzung von Data Science in Kombination mit seiner Leidenschaft für Sprachen brachten ihn dazu, 2013 die AI-getriebene Übersetzungsplattform lengoo zu gründen. Als Gründer und CEO von lengoo hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die globale Lokalisierungsindustrie in das Zeitalter der Digitalisierung und darüberhinaus zu holen. Durch die Kombination einer eigens entwickelten Neural Machine Translation Technologie mit der Kompetenz von Sprachexperten führt lengoo die Adaption neuester Deep Learning Ansätze in der Sprachindustrie an und gestaltet die Zukunft der Fachübersetzung.

Artificial Intelligence in JavaScript using TensorFlow.js (auf Englisch)

Mathias Burger, TNG

TensorFlow.js kann verwendet werden, um Machine Learning-Modelle zu entwickeln, die auf Node.js oder im Browser ausgeführt werden. Außerdem können bestehende Modelle wiederverwendet oder neu trainiert werden. Unter der Verwendung von WebGL bietet das Framework herstellerunabhängige Unterstützung für die Hardwarebeschleunigung und kann sogar CPU-gebundenes Training übertreffen. In einem Beispiel werde ich zeigen, wie Sie Low-Level-APIs verwenden und einen Gestenklassifizierer erstellen, der Trainingsdaten von der Webcam erfasst.

Mathias Burger ist Senior Software Consultant bei TNG Technology Consulting und beschäftigt sich hauptsächlich mit Proof of Concept-Lösungen mittels Machine Learning. Er begeistert sich für technologischen Fortschritt und die neuste Forschung insbesondere im Bereich Computer Vision. Wenn er nicht gerade an der Tastatur sitzt, geht er gerne Rad fahren oder liest Fantasy oder Science Fiction-Literatur.

Architektur & Design

Je mehr sich die Arbeit der Menschen vom taktilen in Richtung digitaler Arbeit verschiebt, desto wichtiger wird das Design der Oberflächen für die Interaktion mit dem Digitalen. Wir haben in den vergangenen Jahren in verschiedenen Anwendungsbereichen mit zwei Fragen gerungen: Wie lässt sich Arbeit in ein Interaktionsmodell überführen, bei dem die bisherigen Arbeitsabläufe wiedererkennbar sind, aber hilfreiche neue digitale Features eine echte Verbesserung darstellen? Wie kann der Designprozess für solche Interaktionsmodelle in agile Softwareentwicklung integriert werden, so dass ein gut verwendbares System mit einer auf Dauer flexiblen und anpassbaren Softwarearchitektur entsteht? Wir haben auf verschiedenen Ebenen Antworten gefunden, die wir den Zuhörern in diesem Vortrag gerne vorstellen wollen.

Dr. Carola Lilienthal ist Geschäftsführerin bei der WPS - Workplace Solutions GmbH und analysiert seit 2003 regelmäßig im Auftrag ihrer Kunden die Zukunftsfähigkeit von Softwarearchitekturen und spricht auf Konferenzen über dieses Thema. 2015 hat sie ihre Erfahrungen aus über hundert Analysen von 20 000 und 15 Mio. LOC in dem Buch „Langlebige Softwarearchitekturen“ zusammengefasst.

The Architect Elevator: Connecting Penthouse and Engine Room

Gregor Hohpe, Technischer Direktor des CTO Office, Google

Viele große Unternehmen sind unter Druck geraten: Digitale Disruptoren greifen mit brandneuen Geschäftsmodellen und ohne Altlasten an. Die „FaceBook-Generation“ hat die Erwartungen der Benutzer drastisch erhöht. Und der Zugang zu modernsten Technologien wurde von Cloud-Anbietern demokratisiert. Dies ist eine schwierige Angelegenheit für Unternehmen, die sehr erfolgreich waren und immer noch sind, aber auf traditionellen Technologie- und Organisationsstrukturen aufbauen. Das „Drehen des Tankers“, wie der Wandel oft beschrieben wird, ist in vielen traditionellen Unternehmen zu einem Thema auf Vorstandsebene geworden. Chief IT Architects und CTOs spielen bei einer solchen digitalen Transformation eine Schlüsselrolle. Sie kombinieren die technischen, kommunikativen und organisatorischen Fähigkeiten, um aus einer Aktualisierung des Technologie-Stacks Geschäftswert zu schaffen, hinter Schlagwörter wie "agil" und "DevOps" zu blicken, und eine Technologieplattform zu schaffen, die Qualität garantiert während sie sich schneller bewegt. Um das zu bewerkstelligen, fahren sie mit dem „Architektenlift“ vom Penthouse, in dem die Geschäftsstrategie festgelegt ist, in den Maschinenraum, in dem die entsprechende Technologie implementiert wird. Ich fuhr fünf Jahre lang mit diesem Aufzug in einer großen Finanzdienstleistungsorganisation und berate jetzt große Unternehmen auf ihrer digitalen Reise. Ich sammle Geschichten aus dem Alltag der IT-Transformation und packe sie in unbeschwerte, aber sinnvolle Anekdoten.

Als technischer Direktor im CTO-Büro von Google Cloud maximiert Gregor den Nutzen, den Kunden aus einem Cloud-basierten IT-Modell ziehen, indem er Organisations-, Softwarelieferungs- und IT-Infrastrukturtransformationen kombiniert. Er fährt mit dem „Architektenlift“ vom Maschinenraum zum Penthouse und verbindet Unternehmensstrategie mit technischer Umsetzung, indem er komplexe Themen ansprechend und erreichbar macht, ohne dabei die technische Genauigkeit zu beeinträchtigen. Vor seinem Wiedereinstieg bei Google war Gregor als Chefarchitekt bei der Allianz SE, einer der größten Versicherungsgesellschaften der Welt, tätig. Nachdem er beschleunigte Innovationen und Komplexität sowie Kostensenkungen als Architekturziele etabliert hatte, überwachte er die Konsolidierung des globalen Rechenzentrums und stellte die erste On-Premise-Plattform für Cloud- und Software-Auslieferung bereit. Gregor ist als Co-Autor des wegweisenden Buches "Enterprise Integration Patterns" bekannt, das häufig als Referenzvokabular für asynchrone Messaging-Lösungen gilt. In seinem Buch "37 Things One Architect Knows About IT Transformation ", werden Geschichten aus den Gräben der IT-Transformation erzählt, während seine Artikel in "Best Software Writing" von Joel Spolsky und "97 Things Every Software Architect Should Know " vorgestellt wurden. Er ist aktives Mitglied des IEEE Software Advisory Boards.

Wo ist eigentlich mein Paket?

Dr. Jan Deiterding, IT-Architekt, Deutsche Post

Früher war es einfacher: die Patentante rief auf dem Drehscheibentelefon an und verkündete, dass sie das Paket für die Kinder zur Post getragen hat. Meistens fanden Sie dann ein paar Tage später eine kleine gelbe Karte in Ihrem Briefkasten, auf der stand, dass Sie Ihr Paket am nächsten Werktag ab 10:00 Uhr in der Filiale abholen können. Heute schickt Ihnen der Onlineshop eine Push-Nachricht auf Ihr Smartphone, dass Ihr Paket morgen zwischen 12:30 und 12:37 Uhr geliefert wird. Falls Sie dann nicht daheim sind, können Sie es noch spontan an die nächste Packstation umleiten. Wo sich das Paket gerade befindet, sehen sie online und falls Sie Ihren Kauf zurücksenden wollen, drucken Sie die Paketmarke dafür einfach daheim aus. Bis Anfang 2018 gab es dafür viele verschiedene Systeme bei der DHL. Alle hatten eigene Webseiten, sahen unterschiedlich aus und boten unterschiedliche Services an. Zu allem Überfluss wurden alle Systeme von unterschiedlichen Teams entwickelt, die quer über Deutschland verteilt waren. Unser Ziel war es, für Kunden der DHL einen einzigen Internetauftritt zu realisieren, in dem alle Services in einer einheitlichen Darstellung zusammengeführt werden. Dabei sollte kein zentraler Monolith geschaffen werden, sondern die Autonomie der einzelnen Systeme gewahrt werden. In diesem Vortrag wird das Unterfangen aus Sicht eines Software-Architekten betrachtet. An drei Beispielen wird gezeigt, womit man als Architekt seinen Tag verbringt: Entwickler koordinieren, technische Konzepte entwickeln und sicherstellen, dass die Hardware mitspielt.

Jan Deiterding works as a software architect at DHL. In this function, he is responsible for the expansion and development of the websites and APIs for private and business customers in Germany and Europe. He interacts with donors, departments, developers, and operations and tries to preserve the noble ideals of clean software design. Before that, he wrote many thousands of lines of Java code in IT consulting and a doctoral thesis on self-adaptive industrial robots.

Computerspiele

Schach und Mathematik gehören zum geistigen Weltkulturerbe. Seit seiner Entstehung hat das Schachspiel weltumspannenden Einzug in fast alle Kulturen gehalten. Mathematik ist eine über Jahrtausende gewachsene Ressource der Menschheit. Sie steckt – oft unbemerkt – in vielen Dingen unserer Lebenswelt. Die Heizung heizt, der Flieger fliegt nur dann, wenn Mathematik im Spiel ist. Schach und Mathematik sind beides Quellen nachhaltig spürbarer Schönheit. Hier wie dort steckt die Ästhetik in der Ausstrahlung geistreich verknüpfter Ideen. Der Vortrag zeigt Highlights dieser beiden Ideenwelten sowie der vielfältigen Beziehungen zwischen Schach und Mathematik. Allgemeinverständlichkeit wird angestrebt.

Christian Hesse, Jahrgang 1960, wurde 1966 im sauerländischen 1500-Seelen-Ort Neu-Listernohl eingeschult und promovierte 21 Jahre später an der Harvard Universität (USA). Von 1987-91 lehrte er als Assistenz-Professor an der Universität von Kalifornien in Berkeley. 1991 wurde er auf eine Professur für Mathematik an die Universität Stuttgart berufen. Zu seinen Leidenschaften gehört das Schachspiel. Darüber hat er zwei Bücher geschrieben, unter anderem den Essayband Expeditionen in die Schachwelt. Zusammen mit den Klitschko-Brüdern, mit Fußballtrainer Felix Magath und Ex-Weltmeister Anatoli Karpov wurde er zum Internationalen Botschafter der Schacholympiade 2008 ernannt. Christian Hesse ist verheiratet und hat eine 18-jährige Tochter und einen 14-jährigen Sohn. Mit seiner Familie lebt er in Mannheim.

Grundlagenforschung

Eines der größten gesellschaftlichen Probleme der heutigen Zeit ist der ständige wachsende Energiebedarf, schwindende fossile Energieträger und dem Drang nach sauberer und nachhaltiger Stromerzeugung. Unter den gängigsten erneuerbaren Energietechnologien besitzt solare Stromerzeugung bedingt durch die immense Energieproduktion der Sonne das vielleicht größte Potential. Bisher sind Silizium-basierte Solarzellen allgegenwärtig, allerdings reichen sie bei weitem nicht aus um den gesamten Energiebedarf der Erde abzudecken. Bei der Suche nach neuen Materialien um Silizium-Solarzellen zu verbessern oder gänzlich zu ersetzen, tauchten im Jahr 2011 zum ersten Mal die so genannten Halidperowskite auf. Bedingt durch ihre extrem vorteilhaften optischen Eigenschaften, sind Perowskit-basierte Solarzellen in der kurzen Zeit seitdem inzwischen soweit verbessert worden, dass Spitzenwerte der Umwandlungseffizienz schon in die Nähe der Silizium-basierten Solarzellen heranreichen.

Alexander Urban studierte Physik an der Universität Karlsruhe (Deutschland). Während seines Studiums verbrachte er ein Jahr an der Heriot Watt University (UK), wo er einen Master in Physik abschloss. Ab 2007 war er am Lehrstuhl für Photonik und Optoelektronik von Jochen Feldmann an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München (Deutschland) tätig, wo er an der optothermischen Manipulation von plasmonischen Nanopartikeln arbeitete und seine Promotion im Jahr 2010 abgeschlossen hat. In der Gruppe von Naomi J. Halas am Laboratorium für Nanophotonik der Rice University (Houston, TX, USA) erweiterte er ab 2011 seine Expertise in den Bereichen Plasmonik und Nanophotonik. 2014 kehrte er an die LMU zurück und wurde zusammen mit Jochen Feldmann Junior-Gruppenleiter. Er betreut den Bereich der optischen Spektroskopie. Seinen Forschungsschwerpunt bilden die Hybrid-Nanomaterialien wie Halidperowskite -Nanokristalle und Kohlenstoffpunkte. 2017 erhielt Alexander Urban einen der renommierten Starting Grants des European Research Councils und wurde kurz darauf als ordentlicher Professor für Physik (W2) an der LMU berufen. Hier leitet er nun eine eigene Forschungsgruppe, die sich mit Nanospektroskopie in neuartigen Hybridnanomaterialien beschäftigt.

Reflections on missing productivity growth in an era of digital transformation (auf Englisch)

Christina Timiliotis, Junior Economist, OECD

Die digitale Transformation bietet die Chance, das Produktivitätswachstum zu verbessern, indem Innovationen ermöglicht und die Kosten verschiedener Geschäftsprozesse reduziert werden. Doch trotz des schnellen Fortschritts digitaler Technologien hat sich das gesamte Produktivitätswachstum in den letzten etwa zehn Jahren verlangsamt und so die Frage aufgeworfen, wie digitale Technologien die Produktivität ankurbeln können. Heute, wie in den achtziger Jahren, als Nobelpreisträger Robert Solow scherzte: "Überall sehen wir Computer, nur nicht in der Produktivitätsstatistik", ist wieder einmal ein Paradoxon des schnellen technologischen Wandels und des langsamen Produktivitätswachstums zu beobachten. Die Arbeit der OECD zeigt, dass es Hoffnung für die Zukunft gibt. Die digitale Transformation wirkt sich zwar noch nicht auf die aggregierten Produktivitätsdaten aus, hat allerdings allmählich einen Effekt auf die Produktivität in einzelnen Unternehmen - und zunehmend auch in bestimmten Branchen. Im Zuge der digitalen Transformation sollten sich weitere und größere Auswirkungen ergeben, insbesondere im Aufstreben der künstlichen Intelligenz, und indem sich digitale Technologien, Geschäftsmodelle und -praktiken auf eine größere Anzahl von Unternehmen und Branchen ausbreiten. Die politischen Entscheidungsträger können dazu beitragen, dass es zu diesen positiven Folgen kommt, indem sie unterstützende politische Maßnahmen ergreifen, insbesondere für weniger produktive Unternehmen. Dies würde sich doppelt auf Produktivitätsergebnisse sowie Gleichstellung auszahlen.

Christina Timiliotis ist Ökonomin in der Abteilung für Ökonomie der OECD. Ihre Forschung konzentriert sich auf Produktivität und dabei insbesondere auf den Zusammenhang zwischen Produktivität und Digitalisierung, sie arbeitet jedoch auch für das Luxemburger Country Desk. Zuvor arbeitete Christina in der Direktion für Handel und Landwirtschaft zu Handels- und Umweltthemen, speziell zu Subventionen für fossile Brennstoffe und zum Handel mit Umweltgütern und -dienstleistungen. Christina hat einen M.Sc. in empirischer und theoretischer Ökonomie der Paris School of Economics.

Hardware & Reality Hacking

Die Beschleunigung des neuen Raumzeitalters durch modernste Antriebssysteme

Daniel Metzler, Mitgründer und CEO, Isar Aerospace Technologies 

Daniel Metzler ist Mitbegründer und CEO der Isar Aerospace, ein Münchner Unternehmen, das Orbital-Trägerraketen entwickelt, um die Barrieren für den kommerziellen Weltraumzugang zu senken. Zuvor leitete er ein Team von 40 Studierenden der Raketenforschungsgruppe WARR, das Höhenforschungsraketen entwickelte. Neben seinem Studium in Maschinenbau und Luft- und Raumfahrttechnik entwickelte er mehrere Webservices.

Weltraumanwendungen sind ein entscheidendes Element in der heutigen, digitalen Wirtschaft. Sie ermöglichen globale Kommunikationsnetzwerke, die Überwachung der Logistik oder die Bereitstellung von Daten für die Geschäftsanalyse. Mit dem Markteintritt kommerziell agierender Unternehmen sieht die Zukunft auf globaler Ebene gut aus. Wie können wir Weltraumdaten nutzen und wer übernimmt die Führung im Weltraumwettkampf 2.0?

Kohlenstoffdioxid sparen mit einem günstigen digitalen Zwilling einer Windkraftanlage (auf Englisch)

Robert Erdmann, CDO, fos4x

Windturbinen wiegen annähernd 1.000 Tonnen und stehen für moderne Maschinenbaukunst. Allerdings sehen sich viele Betreiber von Windanlagen mit mehreren Einschränkungen konfrontiert; sogar direkt nach Betriebsstart liefern die Parks oft bedeutend weniger Energie als erwartet. Die operative Instandhaltung ist weiterhin in regelmäßigen Abständen notwendig. Gegen Ende des zertifizierten Lebenszyklus muss die Wirtschaflichkeit des laufenden Betriebs und die von Alternativen quantifiziert werden, doch an diese Daten zu kommen, ist schwierig. Dies ist ein wiederkehrendes Muster in der Windindustire: Die (Nicht-)Verfügbarkeit sowie die fragwürdige Qualität und Schärfe der vorhandenen Daten. Der Vortrag wird Ihnen eine Handvoll Fallstudien nahe bringen, die zeigen, wie faseroptische Sensoren in die Rotorblätter integriert werden, um Hochfrequenzdaten (in diesem Kontext 40Hz) zur liefern, aus denen wir verschiedene physikalische Parameter berechnen können (Windrichtung, Geschwindigkeit, Turbulenzen etc.), und gleichzeitig auch den Zustand des Rotorblatts ermitteln können (Vereisung, Sprung, Blitzeinschlag etc.). Wir tun all dies, um die jährliche Energieproduktion zu erhöhen, Betriebskosten zu senken und die Lebensspanne zu verlängern. Und ja, die Effekte sind hochgradig messbar. Wir arbeiten seit 2012 daran und die Technologie ist durch mehr als 100 Patente geschützt. Mit einem Blick in die Zukunft sind wir überzeugt, dass die Anlagenbesitzer die datengestützte Optimierung nutzen werden und dass die Turbinen selbst online sein und interagieren werden. Anlagen, welche jetzt nicht ausgelastet sind, werden dann verstanden sein und wir tun unseren Anteil daran, dies noch schneller Realität werden zu lassen.

Robert Erdmann leitet das digitale Geschäft bei fos4X, welches die IIoT Infrastruktur, Softwareentwicklung und Big Data Analyse umfasst. Mit seinem Team entwickelt er Anwendungen für modellbasierte Analyse und maschinelles Lernen, für welche die Daten der ebenso innovativen Sensortechnologie in den Rotorblättern wirksam eingesetzt werden. Bevor er zu fos4x kam, baute Robert verschiedene digitale Geschäfte beim Telekommunikationsriesen Telefónica auf. Zuletzt gründete er die Einheit Advanced Data Analytics innerhalb von Telefónica NEXT, einer strategischen Ausgründung für Mobilitätsdaten. Er begann seine Laufbahn beim Halbleiterhersteller Texas Instruments, besitzt Masterabschlüsse in Elektrotechnik (Stanford University) und Business Administration (UCLA Anderson School of Management) sowie ein stark internationales Profil mit Erfahrung in den USA, China, Skandinavien und Frankreich.

Quantencomputer

D-Wave's Approach to Quantum Computing (auf Englisch)

Dr. Colin P. Williams, Vice President of Strategy & Corporate Development, D-Wave Systems, Inc.

Der Quantencomputer verspricht, die Computertechnologie ebenso grundlegend zu revolutionieren wie das Flugzeug den Transport revolutionierte. Nach jahrzehntelanger Inkubation erscheinen endlich Quantencomputer der frühen Generation, die es den Menschen ermöglichen, ernsthaft mit dem Experimentieren zu beginnen. In diesem Vortrag werde ich den Ansatz von D-Wave für das Quanten Computing beschreiben, seine Vor- und Nachteile in Bezug auf konkurrierende Systeme erläutern und die Gründe für unsere Entwurfsentscheidungen erläutern. Darüber hinaus werde ich Beispiele nennen, wie die systemeigenen Optimierungs- und Samplingfähigkeiten unseres Quantenprozessors genutzt werden können, um Probleme in einer Vielzahl von Bereichen zu lösen, darunter Gesundheitswesen, Physik, Finanzen, Simulation, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen.

Colin P. Williams ist Vice President Strategy & Corporate Development bei D-Wave Systems Inc. und berichtet direkt an den CEO. Er hat über 20 Jahre im Bereich des Quanten Computing gearbeitet und Algorithmen und Anwendungen sowohl für das Gate-Modell als auch für das Annealing-Modell entwickelt und patentiert. Bevor er zu D-Wave kam, war Colin Senior Research Scientist (SRS) und Programmmanager für Advanced Computing Paradigms am Jet Propulsion Laboratory der NASA am California Institute of Technology der NASA. Zuvor entwickelte und unterrichtete er als Associate-Professor für Computerwissenschaften an der Stanford University die ersten Kurse Standfords in den Bereichen Quantencomputer & Quantenkommunikation sowie computergestützte Mathematik. Colin erwarb seinen Ph.D. in künstlicher Intelligenz an der University of Edinburgh im Jahr 1989 und schrieb "Explorations in Quantum Computing", eines der ersten Lehrbücher auf diesem Gebiet.

Werkzeuge und Methoden

The Nerdy Salesman: Why Technical People must Start Shaping their Businesses and are Best Equipped to do so (auf Englisch)

Johannes Lechner, Mitgründer und Head of Product, Payworks GmbH

Die meisten sind sich darüber einig, wie wichtig eine interdisziplinäre und unternehmerische Einstellung für den Erfolg in der IT ist. Die traurige Realität in vielen Unternehmen und Bildungsprogrammen ist jedoch immer noch eine tiefe Kluft zwischen „geschäftlichen“ und „technischen“ Leute und Sachverhalte. In meinem Vortrag wird erläutert, warum sich dies ändern muss und warum ich wahrlich der Meinung bin, dass Techies bestens geeignet sind, ihren Unternehmen einen enormen Mehrwert zu bieten. Ich werde praktische Ratschläge geben, wie Studenten, Young Professionals und ihre Manager dorthin gelangen können.

Johannes Lechner, Mitgründer und Produktleiter Payworks GmbH.
Johannes Lechner ist bei Payworks, dem Münchner Zahlungstechnologieanbieter, für alle produktbezogenen Themen verantwortlich. Er studierte Informatik und Technologiemanagement. Währenddessen verfolgte er verschiedene unternehmerische Projekte. In seiner Freizeit ist er ein leidenschaftlicher Fotograf und aufstrebender freiwilliger Feuerwehrmann.

Auch wenn es aus heutiger Perspektive schwer vorstellbar scheint, lief Software früher primär offline auf lokalen Computern auf der lokalen Festplatte. Durch die Migration in die Cloud wurden großartige Funktionen wie Echtzeit-Zusammenarbeit in Google Docs ermöglicht. Allerdings haben wir jedoch auch die Kontrolle über unsere eigenen Daten verloren und sind nun von weit entfernten Servern abhängig, um auf die von uns erstellten Daten zugreifen zu können. Die JavaScript-Bibliothek Automerge zum Erstellen kollaborativer Echtzeitanwendungen möchte das Beste aus beiden Welten vereinen. Mit Automerge erstellte Apps arbeiten auch offline, speichern Daten lokal und synchronisieren diese mit den anderen Mitarbeitern, sobald ein Netzwerk verfügbar ist. Obwohl Automerge mit Servern verwendet werden kann, ist dies nicht zwingend notwendig, da die Synchronisierung auch Peer-to-Peer oder über ein beliebiges Netzwerk funktioniert. In diesem Vortrag soll gezeigt werden, wie Automerge mit verschiedenen Benutzern umgeht, die gemeinsam genutzte Daten kollaborativ, aber unabhängig voneinander ändern (Hinweis: durch automatisches Zusammenführen der Änderungen!), wie die Anwendung in stark verteilten Umgebungen Konsistenz erzielt und welche Funktionen für die Zukunft geplant sind.

Martin Kleppmann forscht im Gebiet verteilter Systeme an der Universität Cambridge und ist Autor des renommierten O’Reilly-Buches „Designing Data-Intensive Applications“. Zuvor war er Softwareentwickler und Unternehmer, hat zwei Start-ups mitgegründet und bei LinkedIn an großen Dateninfrastrukturen gearbeitet.

Ein recht neuer Bug wurde in einer bekannten Virtualisierungssoftware gefunden, wofür es jedoch noch keinen, zumindest öffentlich, funktionierenden Exploit gab. Anhand dieses Beispiels soll dargestellt werden, wie ein kleiner Bug in einer Software, die gesamte Sicherheitsvorkehrungen einer Anwendung und des darunterliegenden Betriebssystems außer Kraft setzten kann und wie ein realer Exploit entwickelt und implementiert wird. Außerdem soll dadurch die Annahme "Virtualisierung ist gleich Sandbox" disputiert werden.

Aktuell ist Tobias Madl Research Associate und Ph.D. Student am Fraunhofer Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit mit Fokus auf Product Protection & Industrial Security. Zuvor arbeitete er als IT-Sicherheitsanalyst bei der Landeshauptstadt München im Bereich externe Netze & DMZ. Nebenbei betreibt er ein Gewerbe, welches praxisbezogene Security Schulungen für Entwickler anbietet und hat einen M.Sc. in Applied Research of Engineering Sciences mit Schwerpunkt auf Automotive Security. Zuletzt wurde Tobias 2018 mit dem deutschen Team Europameister bei der European Cyber Security Challenge in London, UK.